Seltsame Signale aus dem Süden unserer schönen Republik: Während anderenorts allmählich die Erkenntnis greift, das Computer- und VIdeospiele möglicherweise doch eher als Kulturgut und nicht als Werk des Teufels zu betrachten sind, ist die CSU in Bayern anderer Meinung. Pünktlich zum allmählich dort startenden Wahlkampf möchte der bayerische Innenminister Hermann (CSU) wieder eine politisch scheinbar sichere Keule schwingen: Killerspiele sollen verboten werden.

Der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, der Deutsche Kulturrat hat aus Berlin dazu einen sehr eindeutigen Kommentar gegeben:

Eigentlich war die Debatte um das Verbot von gewalthaltigen Computerspielen längst beendet. Sowohl in der Politik als auch in den Verbänden bestand Einvernehmen, dass die Kraft besser in die Ausbildung von Medienkompetenz bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen sowie in die Auszeichnung guter Computerspiele gesteckt werden sollte, statt in einen Verbotsaktionismus zu verfallen, der in Zeiten des Internets ohnehin schwer durchsetzbar ist. Anerkanntermaßen hat Deutschland im Vergleich zu anderen Staaten besonders strikte Jugendschutzregelungen und das ist auch gut so. Handlungsbedarf besteht darin, gewaltfreie, anspruchsvolle Computerspiele stärker bekannt zu machen. Der geplante Deutsche Computerspielepreis der Bundesregierung zielt genau in diese Richtung und ist daher eine positive Maßnahme. Dem Vernehmen nach bemüht sich gerade die Bayerische Staatsregierung besonders darum, dass der Preis in München verliehen wird. Vor diesem Hintergrund ist die Forderung nach dem Verbot von Computerspielen ein schlechter bayerischer Running Gag in Wahlkampfzeiten.

Dieses klare und meiner Meinung nach wunderbar deutlich Statement macht einen weiteren Kommentar zu dem, was sich derzeit in Bayern tut, fast schon überflüssig. Das Gute: plumpe Verbotsforderungen und Pauschalisierungen, die offenbar nur auf die Stimmen von Wählern abzielen, die sich mit der Materie nicht auskennen, verlieren allmählich ihre Wirkung. Ja, Spiele SIND ein Kulturphänomen und in weiten Teilen Kunst, die Akzeptanz dafür wächst zum Glück und endlich bewegt sich die Wahrnehmung in eine sachliche, nicht pauschalisierende Richtung. Ein Blick in die jüngere Geschichte zeigt etliche Beispiele, bei denen es ähnlich war. Heute würde jemand, der sich für ein Verbot von Jeans, Rock´n´Roll  und VHS-Kassetten stark macht, nicht mehr ernstgenommen werden und eher mitleidig belächelt. In ein paar Jahren wird das bei Computer- und Videospielen nicht anders sein.

UPDATE: Mittlerweile ist die News auch auf Golem.de aufgetaucht und sorgt, wie nicht anders zu erwarten war, wieder mal für heftige Diskussionen.

UPDATE 2: Diesmal scheint sich das ganze noch mehr zu einem Bumerang für die CSU und ihre kompromisslose Linie zu entwickeln. Das Thema dreht immer fleißiger durch die Presse seine Runde, auch die PC-Games ist auf den Zug aufgesprungen. Sie bietet eine Protestaktion auf, mit dem Namen „Ich wähle keine Spielekiller„. Der Verlag der Zeitschrift sitzt in Fürth (Bayern) und die PC-Games ist eines der auflagenstärksten Print-Blätter im PC-Bereich. Bleibt zu hoffen, das das Beispiel Schule macht und auch die letzten Politiker merken, das Spieler eine immer stärker wachsende Wählerklientel sind, auf deren Rücken man immer schlechter mit stumpfen Verbotsforderungen Wahlkampf machen kann. Bei Golem.de gibts noch ausführlichere Informationen zu der Aktion.

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