Media Control hat heute eine Pressemitteilung herausgegeben, aus der hervorgeht, dass der Videospielmarkt scheinbar keine Konsumflaute oder Finanzkrise kennt. Hier die Pressemitteilungen in Häppchen und jeweils meine Einschätzung dazu.

„Videospiele gehören in Deutschland zu den beliebtesten Freizeitmedien. Im dritten Quartal 2008 stiegen die Umsätze mit Konsolensoftware auf 131 Millionen Euro. Das entspricht einem Zuwachs von 17,5 Prozent zum gleichen Vorjahreszeitraum, wie media control GfK auf Basis des wöchentlichen Panelmarktes mitteilt. Insgesamt 3,7 Millionen Spiele kauften Verbraucher zwischen Juli und September 2008 – ein Plus von 10,0 Prozent. „Der Markt profitiert von der stetig wachsenden Fangemeinde der Videospiele“, sagt Ulrike Altig, Geschäftsführerin von media control GfK.“

17,5 Prozent  Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr sind schon ein starkes Brett. Ich kann mich nicht erinnern, dass wir jemals zuvor so ein hohes Marktvolumen in der Branche gesehen haben, weder in den 90ern, noch auf dem Höhepunkt des ersten Konsolenbooms vor dem großen Crash 1983. Und der heutige Markt ist mit dem von 1983 nur wenig vergleichbar, damals gab es schlicht zu viele schlechte Spiele, und die Heimcomputer holten die Konsolen leistungsmäßig ein. Natürlich waren das nicht die einzigen Gründe, aber beide sind auf dem heutigen Markt nicht relevant. Richtig schlechte Ausschußware gibt es aktuell eigentlich kaum (je nach Geschmack), und der PC ist immer weniger ein Benchmark für die Konsolen, die sich von diesem weitgehend emanzipiert haben.

„Der Nintendo DS ist mit aktuell 36,4 Prozent Anteil an der Gesamtverkaufsmenge aller Videospiele eindeutiger Marktführer bei der Software. 1,4 Millionen Spiele (Q3 2007: 1,2 Millionen) gingen im abgelaufenen Quartal für den Handheld über die Ladentheken. Für Sonys PlayStation 2 (PS2) wurden knapp halb so viele Spiele verkauft. PS2-Software hielt sich mit 17,4 Prozent Mengenanteil auf Rang zwei. Software für die Next-Generation-Konsole Nintendo Wii erreichte 15,0 Prozent Anteil. Zusammen mit der DS erzielten die beiden Nintendo-Konsolen im dritten Quartal über 50 Prozent Marktanteil bei der Software.“

Die Zahlen zum DS sind keine wirkliche Überraschung und schon seit mehreren Quartalen auf einem hohen und stetig steigendem Niveau. Auffällig ist, dass nach wie vor der „Oldie“ PS2 vor allen Next-Gen Konsolen (ohne Handhelds) liegt, wie man auch weiter unten sieht. Die Softwareentwicklung für die PS2 ist mittlerweile vergleichsweise kostengünstig und einfach, viele Titel sind mittlerweile eine Art Low-Budget Umsetzung von Titeln für die „großen“ Konsolen und erreichen damit ein anderes Marktsegment. Das verspricht nach wie vor ein lukratives Geschäft für Third Party Entwickler. Schlecht hingegen ist das eigentlich für Sony (und auch Microsoft), denn diese Kunden haben nicht den Anspruch der Core-Gamer nach neuester Technik und sind dementsprechend schwerer davon zu überzeugen, sich Xbox 360, PS3 und Co zuzulegen. Besonders ärgerlich: Die aktuellen PS3-Modelle können keine PS2-Spiele abspielen, damit dürfte Sony Kunden verlieren, die die PS3 als Upgrade in Erwägung ziehen könnten. Sony muss aufpassen, dass sie sich mit der PS2 nicht eine Art Windows XP im eigenen Haus schaffen und die Kunden bis zur nächsten Konsolengeneration „aussetzen“, wie Microsoft das bei den Betriebssystemem für den PC mit dem (oft zu unrecht gescholtenen) Windows Vista gerade erlebt. Das bedeutet im Klartext: der Preis für die Konsole müsste runter, und noch mehr Spiele für die breite Masse her.

„Auch Softwareabsätze für die stationären Next-Gen-Konsolen Sony PlayStation 3 (PS3) und Microsoft Xbox 360 legten zu. Die Zahl der verkauften PS3-Spiele vervierfachte sich im dritten Quartal 2008 zum Vorjahr. Auf sie entfielen mit 10,8 Prozent Anteil an der Gesamtverkaufsmenge die viertgrößten Marktanteile. Platz fünf belegt Xbox-360-Software mit 7,0 Prozent.“

Im direkten Vergleich zu Microsoft steht Sony aktuell etwas besser da, eine Vervierfachung der Softwareverkäufe im Vergleich zum Vorjahresquartal ist schon eine deutliche Marke. Microsoft hat mit den jüngsten Preissenkungen schon darauf reagiert, und auch deren Verkäufe haben angezogen. Ich bin sehr gespannt, wie sich beide Konsolen im Weihnachtsgeschäft schlagen, Sony hat aktuell den höheren Marktanteil, was den Softwareverkauf angeht; Microsoft hingegen einen deutlichen Preisvorteil, der sich auch mit Nintendo´s Wii messen kann.

„Ulrike Altig zu den aktuellen Entwicklungen: „Dank innovativer Konzepte erschließen die Hersteller und Publisher erfolgreich neue Zielgruppen.“ So war „Wii Fit“, ein neuartiges Sport- und Fitnessspiel, der Topseller im dritten Quartal. Dahinter landeten „Mario Kart Wii“ und „Super Smash Bros. Brawl“ auf dem Treppchen. „Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging“ für Nintendo DS kam auf Rang vier ins Ziel.“

Nintendo hat, was Innovationen für die breite Masse angeht, eindeutig den richtigen Riecher gehabt. Die Frage ist, wie sich dieser Trend weiterentwickelt, speziell wenn man bedenkt, dass es nicht nur Casual Gamer da draußen gibt. Diese wollen mit anspruchsvollerer Software bedient werden, die in der Entwicklung deutlich teurer ist und damit ein höheres unternehmerisches Risiko bedeutet. Sony´s Home und das große Dashboard-Update für Xboc 360 zielen ziemlich direkt ebenfalls auf diese neue Kundengruppe, es darf als sicher gelten, dass sowohl Sony als auch Microsoft verstärkt die Erfolgskonzepte von Nintendo übernehmen werden. Solange es auch weiterhin guten Nachschub für die Core Gamer gibt, und die Spiele für die Casuals innovativ sind, sehe ich da kein Problem. Aber zur Erinnerung: 1983 ist unter anderem auch deswegen passiert, weil es zu viele Spiele gab, die zu ähnlich waren und zu anspruchslos. Das sollten alle drei Konsolenhersteller im Hinterkopf behalten. Es sind die wirklich guten Spiele, die Meilensteine, die die Branche vorwärts gebracht haben. Und es war die Masse an schlechter Software, die auch schonmal den Markt zusammenbrechen ließ.

(News gefunden bei Golem.de)