Zum Feiertag bin ich auf ein ganz besonderes Netzfundstück gestossen, was einige von den älteren Hasen noch gut kennen dürften. Wenn man heutzutage bei kleineren Fernsehsendern reinzappt, bevorzugt zu später Stunde, dann wird man mit intellektuell äußerst fragwürdigen „Call-In Shows“ förmlich bombardiert. Ich denke, dazu muss ich nicht viele Worte verlieren. Das Grauen und die dahinter steckende Masche ist vermutlich jedem, der mehr IQ hat als ein Türstopper, hinlänglich bekannt.

Im Werbejargon wird sowas gerne als „Mitmach-TV“ bezeichnet, wobei das „Mitmachen“ wohl in erster Linie darin besteht, kostenpflichtig per Telefon nicht durchzukommen, oder wenn man es schafft, ebenso kostenpflichtig den erfragten Begriff nicht zu wissen. Ist aber auch kein Wunder, wenn man z.B. bei Automarken, die mit „A“ anfangen, dummerweise vor 80 Jahren in England geschlossene Kleinwagenhersteller gerade nicht parat hat. Sowas sollte doch zur Allgemeinbildung gehören 😉 Audi wäre da auf keinen Fall ein naheliegender Begriff. Was allzu unterbelichtete Zuschauer trotzdem nicht davon abhält, mehrmals den falschen Begriff zu nennen. Aber lassen wir das.

1994 gab es dieses fernsehgewordene Grauen zum Glück noch nicht. Dafür hatte man allerdings die Möglichkeit, bei Hugo anzurufen. Dem damaligen „Alles-Interaktiv-und-alles-Multimedia-und-so“-Hype folgend, hatte Kabel 1 ein neuartiges Sendekonzept auf die Mattscheibe gebracht.

Über die Telefontasten konnte man einem kleinen Gnom namens „Hugo“ durch eine Reihe von Minispielen steuern. „Interaktiv“ war das ganze deswegen, weil man Hugo z.B. bei der Fahrt durch eine Mine über die Telefontasten 4 und 6 vor Hindernissen ausweichen lassen konnte. Oder eben auch nicht, denn oft genug haben grauenvoll lange Latenzzeiten zwischen „Es wird auf dem Bildschirm angezeigt“ und „Benutzer drückt auf seinem Telefon herum“ und „Der Befehl wird endlich ausgeführt“ den kleinen Gnom in die Hölle geschickt. Nach drei Versuchen war dann für den Zuschauer „Game Over“.  Das ganze wurde von den immer gleichen flapsigen Sprüchen von Hugo kommentiert, man hätte vermutlich statt Hugo problemlos Fips Asmussen in die Spiele einbinden können und es wäre wohl niemandem aufgefallen.

War das am Anfang ja noch irgendwie interessant, so nutzte sich diese Idee, nicht zuletzt wegen den immer gleichen Spielen, doch sehr schnell ab. Da konnten auch die quirligen, vor einem Bluescreen herumhüpfenden Moderatorinnen nichts mehr reißen. Aber was sollten sie auch machen, nach dem hundersten „Du musst die Vier drücken!“ wäre ich vermutlich schon lange wahnsinnig geworden.

Die Sendung hielt sich immerhin bis 1997 im Fernsehen. Damals vermutlich voll auf der Höhe der Zeit ist sie rückwirkend ein ziemlich skurriles TV-Unikum. Laut, schrill und sich ständig wiederholend. Und trotzdem irgendwie noch nett gemeint und harmlos, wenn man sich das heutige „Mitmach-TV“ anschaut. Das ist noch lauter, noch schriller und irgendwie noch viel peinlicher.