Ihr lebt in den USA? Ihr habt die erste Version von GTA San Andreas dort gekauft? Ihr habt noch den Kassenzettel? Ihr seid prüde? Und ihr habt eure Version des Spiels mit dem Hot Coffee Mod verändert? In diesem (unwahrscheinlichen) Fall das alles auf einmal zutrifft: Bestens, dann hat Rockstar genau das richtige Angebot für euch im Sortiment. Auf dieser Seite gibt es (nur für US-Kunden) die Möglichkeit, das Spiel gegen eine weniger gefährliche (=nicht mehr patchbare) Version umzutauschen und je nach Anzahl der eingegangenen Reklamationen gibts auch noch ein paar Dollar dazu.

Wie kam es dazu?

Im Jahr 2005 ging ein Aufschrei der Empörung durch die US-Medien, einen entsprechenden Patch vorausgesetzt, konnte man bei GTA San Andreas kleine Sexspielchen freischalten, wenn man seine Freundin im Spiel lange genug mit Dates und anderen Nettigkeiten glücklich machte. Diese kleinen Minigames und Sexszenen waren im Spiel offiziell nicht freigeschaltet und funktionierten eben nur mit dem erwähnten Hack. Take-Two entschuldigte sich recht schnell und legte eine neue Version von GTA San Andreas auf, die nicht mehr patchbar war. Damit sollte man meinen, das die Sache in jedem durchschnittlich aufgeklärtem und mordernem Land aus der Welt sein sollte. Aber die USA wären nicht die USA, wenn der Anblick von ein bisschen nackter Haut nicht ein Skandal wäre, bei dem es nicht mit einer offiziellen Entschuldigung und einer Veränderung des Produktes getan wäre.

Es fanden sich einige Käufer der ersten Version, die gemeinsam eine Sammelklage anstrebten. Der Grund: Das Spiel hätte wegen dieser Sexszenen das Rating „M“ nicht verdient, sondern „Adults only“. Was mich sehr nachdenklich stimmt, ist das die Klage auf dieser Basis zugelassen wurde, obwohl das Spiel im Auslieferungszustand niemals diese Szenen angezeigt hat. Auf der Webseite mit dem Settlement findet sich auch noch ein weiteres Bonbon: Wer WEDER das Spiel, NOCH den Kassenbon besitzt kann, wenn er es denn an Eides statt versichert, erklären, dass er das Spiel vor dem 20. Juli 2005 gekauft hat und sich durch die (nicht regulär angezeigten) Sexszenen „beleidigt und aufgebracht“ ist. Das wird dann immer noch mit respektablen 5 Dollar honoriert. Ich denke, nach europäischen Maßstäben eigentlich unfaßbar.

Amerika ist für seine teils bis ins hysterische abdriftende Sexualmoral ja durchaus bekannt, aber sowas klingt auch noch für deren Verhältnisse sehr ungewöhnlich. Wer diese kleinen Minispieleinlagen gesehen hat, der weiß das (übertrieben gesagt) so mancher ARTE-Themenabend mit mehr Sex und Freizügigkeit aufwarten kann, geschweige dessen, was nachts so bei DSF und Konsorten über den Äther läuft. In einem Land, das die wohl weltgrößte Pornoindustrie hat, aus dem der Playboy stammt und in dem der Boom mit Sexseiten im Internet gestartet ist, führt dann Sex in einem (gehackten) Computerspiel zu akkutem Herzflimmern und zu möglicherweise siebenstelligen Schadensersatzforderungen. Mit diesem Sümmchen hätte man vermutlich auch ein komplettes Pornolabel auf die Beine stellen können, und niemand hätte sich wohl dann so sehr beschwert. Ich verstehe es wirklich nicht. Ich könnte mir da eine Knarre kaufen und überall herumtragen, was Gewalt in Filmen und Spielen angeht gibt es da kaum Limits, aber wehe man sieht nackte Haut. Wenn dann bitte nur im Playboy, überall im Internet oder in den unzähligen Filmen. So eine verlogene Moralvorstellung. Ich glaub ich werde meine alten Rockschallplatten, meine Jeans, meinen Farbfernseher und natürlich besonders meine PS2 wohl demnächst in einen Giftschrank befördern und nie wieder anrühren. Sind ja wirklich perverse Sachen, und was die Jugend damals „verdorben“ hat, ist auch heute bestimmt noch brandgefährlich. Hat mal jemand Sagrotan zur Hand? Ich muß jetzt duschen.

(News gefunden auf Golem.de)