Wenn man den Nachrichten Glauben schenken darf, die sich seit heute Abend wie ein Lauffeuer auf Twitter und den Seiten einiger Zeitschriften verbreiten, dann werden zwei spielerische Urgesteine der PC-Welt in Kürze (sprich morgen) aus dem Index der BPjM per Mitteilung über die 131. Ausgabe des Bundesanzeigers entfernt. Wir reden von keinen geringeren Titeln als Doom I und Doom II. Ausgenommen ist angeblich nur die US-Fassung von Doom 2, weil dort bestimmte Teile eines nicht nennbaren Vorgängerspiels zu sehen sind. Wenn man sich die weiteren Listenstreichungen anschaut, dann findet man auch so inspirierende Filmtitel wie „Vollendung der Liebestechnik“ oder „Wang Yu – Der Karatebomber„. Im 131. Bundesanzeiger ist offenbar für fast jeden Geschmack etwas dabei.

Kurze Rückblende: Der erste Teil von Doom wurde am 10. Dezember 1993 veröffentlicht und hat das Genre des Egoshooters auf dem PC ganz entscheidend vorangebracht. Nach dem Pixelbrei und der bestenfalls annähernd dreidimensionalen Darstellung des Vorgängerspiels von id Software (das hierzulande nach wie vor beschlagnahmt ist) brachte Doom eine bis dahin unerreichte Grafikqualität . Die Level waren grafisch ihrem Vorgänger Lichtjahre voraus, sie boten weitläufige Areale,  unheimliche Korridore, Licht und Schatteneffekte sowie wesentlich verbesserte Texturen. Dazu kam von der Kettensäge bis hin zur ultimativen BFG9000 ein umfangreiches Waffenarsenal, mit dessen Hilfe wahre Heerscharen von verschiedenen Monstern darauf warteten, mit viel versprühtem Ketchup ins digitale Jenseits befördert zu werden. Kombiniert mit einer atmosphärischen Musik wurde auch auf damals bezahlbaren Systemen wie den 386ern ein intensives Spielerlebnis mit vielen Schreckmomenten geboten.

Das Sahnehäubchen war der gut funktionierende Mehrspielermodus, bei dem sich per Netzwerk oder (Null)Modem die Spieler gegenseitig virtuell ans Fell gehen konnten. Man darf mit Fug und Recht behaupten, dass Doom einer der ersten Auslöser der Welle von LAN-Parties war, die in den folgenden Jahren unzählige Spieler dazu veranlassten, am Wochenende Kraft und Mühe aufzuwenden um den heimischen PC samt Monitor und Zubehör zu einer dieser Privatveranstaltungen zu schleppen. Das schiere Gewicht von Big-Towern und Röhrenmonitoren war damals noch echter Nerd-Kraftsport.

Diese bis dahin unerreichte Spielqualität begeisterte auch hierzulande viele Zocker, die sehr grafische Darstellung des Ablebens der diversen Gegner sorgte jedoch auch für kontroverse Diskussionen über den Gewaltgehalt in PC-Spielen. Das rief auch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften auf den Plan (ja, die hießen damals noch so), und der Titel landete am 31. Mai 1994 auf dem Index.

Doom II kam am 10. Oktober 1994 auf den Markt und bot bei nahezu identischer Technik einen frischen Schwung neuer Levels und mit der doppelläufigen Schrotfinte die wohl bis heute berühmteste Gegnerbeseitigungsvorrichtung der Spielegeschichte. Auch dieser Titel wurde von der BPjS kassiert und auf den Index verbannt.

Warum Zenimax, die Besitzer von id Software, ausgerechnet jetzt eine Löschung beantragt haben, bleibt unklar. Mit dem Fortschreiten der Technik im PC- und Konsolenbereich wirkt die Grafik von Doom heutzutage bestenfalls comichaft und wird vermutlich erwachsene Spielerseelen nicht mehr so stark belasten wie noch vor 17 Jahren. Titel sind normalerweise grundsätzlich 25 Jahre lang auf dem  Index, eine vorzeitige Lösung ist erst nach entsprechendem Antrag und Prüfung  frühestens nach 10 Jahren möglich.

Die Löschung betrifft auch die zahlreichen Portierungen auf andere Systeme, wie z.B. der ersten XBox. Es bleibt zu hoffen, dass international bereits verfügbare Versionen von Doom wie z.B. auf Xbox Live oder Steam jetzt auch den deutschen Kunden zugänglich gemacht werden, damit man diese Titel auch auf moderner Hardware ganz legal kaufen und spielen kann. Bei einem Verkaufserfolg dieser beiden Klassiker könnten auch andere Publisher ermutigt werden, für andere indizierte Meilensteine eine vorzeitige Löschung anzustreben. Aus Spielersicht wäre das wirklich zu begrüßen. Hail to the king, baby!