Electronic Arts steht zurzeit massiv in der Kritik der Spieler, weil sich das Unternehmen auch bei C&C Alarmstufe Rot 3 für den sehr umstittenen Kopierschutz SecuRom entschieden hat.

Dieser Kopierschutz hat ein paar ganz besondere „Raffinessen“:
Ihr müßt ein Spiel das damit geschützt ist, einmalig beim Herstelleronline aktivieren. Danach dürft ihr es mit einer Lizenz auf fünf verschiedenen Rechnern installieren und die CD/DVD wird danach nicht mehr benötigt, sprich sie muss nicht im Laufwerk sein. Bei den Spielen Spore und Mass Effect ist das ganze übrigens nur auf drei Rechnern erlaubt.

Und jetzt kommt der Teil, den ich sehr problematisch finde: Nach diesen fünf Aktivierungen muss man sich direkt bei Electronic Arts melden. Und dort wird bei jedem Fall einzeln entschieden, ob man eine weitere Codenummer bekommt.

Um es deutlich hervorzuheben: Ein Wechsel des Rechners oder schon einiger Teile der Hardware genügen schnell, um auch als Einzelperson schnell dieses Limit zu erreichen. Und dann ist der Spieler im Prinzip einzig und allein auf das Gutdünken von EA angewiesen, ob er sein Spiel weiter nutzern darf. Ich finde das (gelinde gesagt) äußerst probematisch.

Ein Beispiel, wie bei mir dann ein Szenario mit C&C Red Alert 3 aussehen würde: Weil ich kein Hardcore-PC-Spieler bin, zocke ich ein Spiel nicht wirklich sofort durch. C&C 3 Tiberian Wars habe ich insgesamt allein schon auf mindestens drei Rechnergenerationen bei mir zuhause installiert, weil das Spiel dann mitgewandert ist. Bei den älteren Rechnen habe ich es aus Platzgründen auch paarmal zwischendurch deinstalliert. Das ich auch ältere Spiele nach ein paar Jahren nochmal probiere, liegt somit auf der Hand.

Mit SecuRom fehlen mir also zwei Sicherheiten:

  • Ich weiß nicht 100%ig, ob ich meine Lizenz nach 5 Installationen noch weiter Nutzen darf
  • Ebenfalls offen ist, was passiert falls mal der Support für das Spiel ausläuft, und es keine „Aktivierungshotline“ oder dergleichen mehr gibt

In beiden Fällen habe ich dann zuhause ein Stück Software, was ich nicht nutzen kann, und zwar weil der Hersteller es mir nach seinem Gutdünken faktisch verbieten kann, ganz egal ob ich es legal erworben habe und damit Geld geflossen ist. Für mich ist das indiskutabel und ein klarer Grund, von einem Kauf abzusehen. Dabei habe ich mich sehr auf Red Alert 3 gefreut, die Beta sieht wirklich vielversprechend aus. Ich bin immer bereit, ein gutes Produkt auch zu kaufen, weil mir die gebotene Leistung das einfach wert ist. Aber ich will mich nicht soweit gängeln lassen, bei Problemem in irgendwelchen „halblegalen“ Ecken des Internets dann nach einer „inoffiziellen Lösung“, sprich einem Crack zu suchen zu müssen oder auf die Entscheidung des Herstellers zu hoffen, das dieser „Schutz“ irgendwann deaktiviert wird.

Bei Golem.de bin ich auf ein interessantes Zitat von einem Entwickler im EA-Forum gestoßen:

„Ich finde, es wäre eine Schande, wenn sich Menschen dafür entscheiden, ein Spiel nur deshalb nicht zu spielen, weil es mit einem System zum digitalen Rechtemanagement erscheint. Allerdings verstehe ich, dass das eine sehr persönliche Entscheidung ist, und die respektiere ich.“

Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Ich finde, es ist eine Schande, wenn ein Hersteller sich entscheidet, ein Spiel mit einem dermaßen restriktiven Rechtemanagement auf den Markt zu bringen, das den ehrlichen Käufer so viel schlechter stellt als jemanden, der sich eine Raubkopie ohne die Schikanen besorgt.

Offenbar sehen das viele Spieler ähnlich, bei den Amazon-Bewertungen in Deutschland und in den USA hagelt es für Spore deswegen aktuell schlechte Bewertungen.

UPDATE:

Mittlerweile scheint man bei EA ein Einsehen zu haben, zumindest was den Kopierschutz von Spore angeht, Golem.de berichtet darüber. In einem Statement heißt es: „Wenn wir jemals die Spieleserver abschalten, veröffentlichen wir rechtzeitig einen Patch, der das DRM vollständig entfernt“

Und weiter heißt es: „„Wir lassen das Spiel niemals im Stich und schaffen keine Situation, in der Leute es nicht mehr spielen könnten.“

Dazu soll in Kürze für Spore ein Patch erscheinen, durch den man eine Aktivierung auf einem Rechner rückgängig machen kann, was besonders wichtig ist, falls man das Spiel verkaufen möchte.

Ich finde, das sind gute Schritte auf dem Weg zu mehr Verbraucherfreundlichkeit. Die Frage bleibt, ob die Proteste und damit die Negativschlagzeilen nicht vorher schon absehbar waren. Wenn es denn schon ein Kopierschutz sein soll, hätte doch eine übliche Lösung mit einer Lizenz, einer Installation und dem Datenträger im Laufwerk faktisch zumindest nicht soweit geschadet, als der Kunde das schon gewohnt ist und bei bei reibungslosem Funktionieren am ehesten akzeptiert.

Ich bin gespannt, wie bei Alarmstufe Rot 3 jetzt mit dem Kopierschutz verfahren wird, denn dazu gibt es noch keine Neuigkeiten.

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