Nach mehreren sehr erfolgreichen Jahren mit auch hierzulande sehr starkem (zweistelligem) Wachstum macht man sich Jens Uwe Intat, Europachef von Electronic Arts in einem Interview mit Gamesindustry.biz seine Gedanken über den Gebrauchtspiele-Markt. Golem.de hat sich aus dem Interview u.a. folgendes, sehr interessantes Zitat herausgepickt:

„Wir wollen Geschäftsmodelle aufbauen, die mehr und mehr über das Internet laufen und online zusätzliche Dienste und Inhalte zur Verfügung stellen. Auf die Art erkennen die Leute den Wert darin, nicht nur eine Disk zu kaufen und damit zu Hause zu spielen, sondern diese Spiele tatsächlich online zu spielen und dafür zu bezahlen.“

Zunächst mal ist gegen diese grundsätzliche Überlegung nichts einzuwenden. Wenn man sich mit dem Inhalt näher beschäftigt, ist die Kernaussage, das ein Spieler ein Spiel nicht nur als Datenträger kaufen soll, sondern das über zusätzliche Online-Inhalte ein Mehrwert geschaffen werden soll, gegen Bezahlung versteht sich. Die Fragen sind: Wie neu ist dieses Modell? Und wo sind da die Knackpunkte?

Meiner Meinung nach ist es nicht neu. Man schaue sich Xbox-Live an. Für Oblivion gibt es dort eine Reihe kleinerer Addons sowie mit Shivering Isles ein großes Erweiterungspack. Und für alle, die keine schnelle Internetanbindung haben, gibt es zumindest Shivering Isles auch im Laden zu kaufen.  Ich habe mir die Erweiterung ganz klassisch im Laden gekauft, weil ich meine Spiele nach wie vor am liebsten im Regal stehen haben möchte. Aber: Wäre schon das Hauptspiel nicht so gut gewesen, würde mich die Erweiterung nicht reizen. Die Liste an Spielen mit verfügbaren Erweiterungen, Map Packs etc. wird jeden Tag länger.

Damit sind wir beim ersten echten Problem: Zusatzcontent funktioniert nur dann gut, wenn schon das Hauptspiel ein Erfolg ist. Ansonsten dürften die Verkaufszahlen schlicht zu niedrig sein, weil wenig bzw. kein Anreiz besteht, in der Spielewelt noch länger zu bleiben.

Und was ist mit Spielen, die eigentlich nur auf Singleplayer-Modi ausgelegt sind? Auch hier sind die beiden Extreme schnell an einem Beispiel festzumachen: Oblivion und Word of Warcraft. Letzteres ist bekanntlich noch nicht mal für Konsolen erschienen. Ich finde MMORPG´s sehr interessant, habe aber schlicht keine Zeit, regelmäßig zu spielen. Blizzard feiert große Erfolge, keine Frage, aber WoW ist eben sehr zeitaufwändig und benötigt dauerhaft eine Verbindung ins Internet. Nicht jeder Spieler hat die Zeit und die Möglichkeit dazu. Und so sind reine Online-Spiele im Grunde eine weitere Nische.

Wo greift ein Gebrauchtspiele-Markt? Ich denke, bei Spielen die primär für Singleplayer ausgelegt sind. Das ist etwas, was es schon seit vielen Jahren gibt, mit dem rasanten Wachstum der Branche kommen auch mehr preisbewußte Käufer dazu. Rechtlich ist da wohl kaum etwas gegen zu unternehmen. Und hat sich ein Titel wie GTA IV nicht neu so erfolgreich verkauft, wie noch kein Unterhaltungsprodukt vorher? MIch persönlich hat der Kauf von Gebrauchtspielen ohne so ein großes finanzielles Flop-Risiko schon zu so mancher Spiele-Perle gebracht, deren Nachfolger ich allein schon aus purer Vorfreude direkt vorbestellt habe. Weils so schön paßt, hier mein Paradebeispiel: Hätte ich The Elder Scrolls III: Morrowind nicht gebraucht gekauft, wäre ich niemals bei The Elder Scrolls IV: Oblivion gelandet.

Deswegen würde ich mir folgendes wünschen, liebe Spiele-Publisher:

Bei Online-Titeln: Ja, bitte bitte mehr guten Content zum Download, damit man in der Welt noch länger etwas zu entdecken hat. Funktioniert aber nur bei Titeln, wo auch schon das Hauptprogramm erfolgreich war. Die werden im Gebrauchthandel wohl eher weniger auftauchen. Oder liegen bei Gamestop seit neuestem viele gebrauchte WOW´s rum? 😉

Bei Singleplayer-Titeln (offline): Hier gibt im Prinzip dasselbe wie bei den Online-Pendants, aber: Lasst den Spielern die Möglichkeit, auch ohne Internetverbindung  und ohne zusätzlichen Paid Content das volle Hauptprogramm zu genießen. Und bei erfolgreichen Titeln ist der Gebrauchtmarkt meiner Meinung nach mehr Chance als Risiko. Ein gebrauchtes hochbegehrtes Spiel ist doch die beste Werbung, den Nachfolger direkt zu kaufen, damit man nicht noch länger darauf warten muss. Dafür muss dann eben die Qualität stimmen.

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